527. Rundbrief aus Bad Segeberg - 2012

Margret Püttmann

Liebe Imkerinnen und Imker,
beim Spaziergang mit meinem Hund, heute Morgen, minus acht Grad, herrlicher Sonnenaufgang und in Erwartung eines schönen Frühstücks dachte ich an meine Bienen und die Imkerei in den vergangenen Jahren. Meine Gedanken gingen an die Anfänge und Motive zum Beginn und dem, was heute daraus geworden ist. War damals die Ruhr, die Nosema, AFB und die Varroa ein Grund den Gesundheitszustand meiner Bienen besonders zu beachten, so sind es heute Pflanzengifte, Pyrrolizidinalkaloide, Genmanipulationen, Arzneimittel- und EU Vorschriften und wer weiß was noch alles auf uns zukommt, das mir das Imkern verleiden will. Vorschriften, von Schreibtisch-Fachkräften, der guten Praxis desorientierten Theoretikern und Konzernen die nur ihre Umsatzzahlen als Gewissensbestätigung haben.

Pflanzenschutz
In der Woche vor Weihnachten besuchte ich die Jahrestagung des Pflanzenschutzdienstes in der Landwirtschaftskammer in Rendsburg, mit dem Thema „Pflanzenschutz im Ackerbau“. Die Veranstaltung wurde, überraschend für den Veranstalter, zahlenmäßig stärker besucht als erwartet, es mussten noch zusätzlich reichliche Sitzgelegenheiten gestellt werden. In den fünf Fachvorträgen ging es unter anderem um das neue Pflanzenschutzgesetz.
Im ersten Fachvortrag stellte Frau Dr. Feil, vom Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume, die wichtigsten Inhalte des neuen Pflanzenschutzgesetzes vor. Das Gesetz zur Neuordnung des Pflanzenschutzrechts enthalte als Artikelgesetz Änderungen in verschiedenen Rechtsvorschriften. Im Artikel 1 seien die das Gesetz zum Schutz der Kulturpflanzen betreffenden Regelungen enthalten, insofern sei der Begriff „Pflanzenschutzgesetz“ auch weiterhin zutreffend. Mit diesem Gesetz würden verschiedene neue Vorschriften der EU im Pflanzenschutz in nationales Recht umgesetzt. Neben der EU-Zulassungsverordnung, die bereits am 14. Juni 2011 in Kraft getreten sei, seien dies unter anderem die EU-Rahmenrichtlinie zur nachhaltigen Verwendung von Pestiziden, die EU-Statistikverordnung und die EU-Maschinenrichtlinie. Die EU-Rahmenrichtlinie führt zu wesentlichen Neuerungen im Pflanzenschutzgesetz. Wichtige Ziele dieser Rahmenrichtlinie seien, die Risiken durch die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln für die menschliche Gesundheit und die Umwelt zu verringern, die Abhängigkeit von deren Verwendung zu reduzieren und einen Pflanzenschutz mit geringer Pestizidausbringung zu fördern. Hierzu gehörten insbesondere die verbindliche Einführung der Grundsätze des integrierten Pflanzenschutzes ab dem 1. Januar 2014 und die Verpflichtung der Mitgliedstaaten, Aktionspläne zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln zu erlassen. Besondere Änderungen ergeben sich auch im Bereich Sachkunde. Hier sei eine behördliche Bescheinigungsregelung für alle Sachkundigen einzuführen, und in einem dreijährigen Intervall müssten alle Sachkundigen behördlich anerkannte Fort- und Weiterbildungen absolvieren, um die Sachkunde zu erhalten. Auch beim Kauf von Pflanzenschutzmitteln müssten „berufliche Verwender“ dann die Sachkunde nachweisen. Eine Ausnahme hiervon gelte weiterhin beim Kauf von Pflanzenschutzmitteln für die Anwendung im Haus und Kleingarten. Meiner Meinung nach, sollte an dieser Ausnahme noch gearbeitet werden.
Neu sind auch spezielle Vorgaben für die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln auf Flächen, die für die Allgemeinheit bestimmt sind, hier dürften zukünftig nur noch Pflanzenschutzmittel mit geringem Risiko verwendet werden. Zu diesen Flächen gehörten ins besondere öffentliche Parks und Gärten, Grünanlagen in öffentlich zugänglichen Gebäuden, öffentlich zugängliche Sport- und Golfplätze, Schul- und Kindergartengelände, Spielplätze, Friedhöfe sowie Flächen in unmittelbarer Nähe von Einrichtungen des Gesundheitswesens. Also Grün- und Blühflächen für sehr viele Arten von Insekten und Vögel und damit auch unsere Bienen!
Hierzu müssen der NAP (Nationaler Aktionsplan zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln) des BMELV (Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz) bis spätestens Ende November, das deutsche Pflanzenschutzgesetz an die europäischen Regelungen anpassen.
Jedoch schon im Dezember kündigte das Bündnis bestehend aus dem Pestizid Aktions-Netzwerk (PAN), dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Greenpeace, dem Naturschutzbund Deutschland (NABU), dem Deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbund (DBIB), sowie dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) die Mitarbeit in dem Gremium, dessen Ziel es sein sollte, die Risiken, die durch die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln entstehen können, weiter zu reduzieren. Das Bündnis wirft dem BMELV vor, sich im NAP einseitig an den Interessen der Agrarindustrie zu orientieren und bezweifelt, dass es tatsächlich daran interessiert ist, die Menschen und ihre Umwelt vor den negativen Auswirkungen des Pestizideinsatzes zu schützen und verbindliche Vorgaben, wie die Reduzierung des chemischen Pflanzenschutzes, ernsthaft umzusetzen.
So wird es zukünftig zur Verpflichtung werden, unsere Bienen-Gesundheits-Beauftragten im Bereich „Pflanzenschutzgifte“ gezielt und intensiv zu schulen.

Ökologische Landwirtschaft
Die Bio-Landwirtschaft steht schon jetzt vor dem Problem mit den Rückständen der chemisch-synthetischen Pestizid-Rückstände in Gewässer und Böden, die sie selbst nicht eingebracht haben und für sie verboten ist.
Als einziges Bundesland in Deutschland hat Schleswig-Holstein die Fördermittel für den ökologischen Landbau gestrichen. Eine finanzielle Unterstützung für Neueinsteiger gibt es schon länger nicht mehr.
Weder eine Verlängerung laufender Verträge, noch eine Förderung für Erweiterungsflächen ist mehr vorgesehen. Die fehlenden Landesmittel dienen dem Ministerium weiterhin als Begründung, außerdem solle es keine Dauerförderung für den Ökolandbau geben und ein nötiger Strukturwandel könne im Öko–Landbau nicht mit Förderung aufgehalten werden. Die Entscheidung ist im Ministerium abschließend gefallen. Ca. 50% der Bio-Betriebe in SH sind davon betroffen, für die in 2012 der 5- jährige Verpflichtungszeitraum ausläuft, also letztmalig Ende 2012 Geld fließt.
Die Bio-Verarbeiter und der Handel brauchen Bio-Lebensmittel aus der Region. Der Bedarf kann schon jetzt nicht mehr von Schleswig-Holsteins Bio- Bauern gedeckt werden.

Biolandbau gilt als Landwirtschaftsform der Zukunft. Sie ist nicht nur praktizierter Klimaschutz, Gewässerschutz, Naturschutz und Tierschutz, sondern bietet Arbeitsplätze auf dem Land und trägt damit zum Erhalt einer – auch touristisch – attraktiven Kulturlandschaft bei.
Wo sonst finden unsere Bienen noch so eine unverdorbene und nach natürlichen Bedürfnissen geprägte Landschaft vor? Diese Vorteile des Biolandbaus kommen der Gesellschaft zugute. Diese Leistung muss durch die Ökoförderung auch in Schleswig-Holstein wieder anerkannt und honoriert werden.
Die Landesregierung kann sich hier nicht hinter der schlechten finanziellen Lage des Landes verstecken: 18 Prozent der Ökolandbau-Förderung sind Landesmittel, der Rest kommt von der EU und vom Bund.

Wir haben es satt!
Unter diesem Motto fand auch in diesem Jahr am 21. Januar wieder die Demo in Berlin statt, mit noch mehr Teilnehmern als im letzten Jahr. Ich konnte aus familiären Gründen diesmal leider nicht dabei sein.
Landwirtschaft in Norddeutschland wird immer mehr von der Agrar-Industrie geprägt. Doch die Produktion von günstigem Fleisch bringt auch Anwohner und Landwirte kleiner Höfe auf die Barrikaden. Sie befürchten erhöhte Belastungen für Umwelt und Gesundheit sowie negative Folgen für die kleineren Betriebe. Viele Landwirte stehen vor der Frage, aufzugeben oder dem Trend zu immer größeren Tierbeständen zu folgen.
Gegen die Massentierhaltung hat sich das Netzwerk „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ gegründet. Dem Netzwerk gehören 19 Bürgerinitiativen und Tierschutzverbände an. Es ist bundesweit das erste Mal, dass sich in einem Bundesland Initiativen in einem solchen Netzwerk zusammenschließen. Dabei zeigt sich, dass ein Riesenanteil des so produzierten Fleisches für den Export bestimmt ist. Die Exporte von Fleisch aus Deutschland haben sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt. Die Ausfuhr stieg von 2001 bis 2010 von rund 1,5 auf fast 3,7 Millionen Tonnen Fleisch, wie aus einer bekannt gewordenen Antwort des Bundeslandwirtschaftsministeriums hervorgeht. Besonders stark stieg demnach der Export von Schweinefleisch. Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner begründete dies mit dem weltweiten Bevölkerungswachstum. „Die Zunahme des Fleischkonsums verläuft parallel zur Zunahme der Weltbevölkerung“. Vor allem in Schwellenländern wachse mit steigendem Wohlstand auch der Fleischkonsum. Doch die Umweltbelastung durch den erhöhten Bedarf an Futter, Energie und den Hinterlassenschaften, haben wir hier in unserem kleinen Deutschland. Die in den Schwellenländern ehemals vorhandene Landwirtschaft und Tierhaltung wird katastrophal in den Ruin getrieben. Alles zum Wohlstand einiger weniger Konzerne und Börsenspekulanten.
Die einzige Massentierhaltung zum Wohle der Natur und der Menschen, ist die Imkerei.

Aus den Medien
Wie es sich kürzlich wieder einmal zeigte, ist die richtige Interpretation von Fachausdrücken und Bezeichnungen gegenüber der Presse sehr wichtig. Wie schnell aus Oxalsäure „Rhabarbersaft- Konzentrat“ wird, zeigte sich in einer Fernsehausstrahlung im Januar beim NDR. Der gutgemeinte, aber wieder einmal unprofessionell gestaltete Beitrag entwickelte sich zu einem Telefonmarathon für Frau Meinke in der Geschäftsstelle, sorgte auch wegen der fehlenden Zulassung bei den Ämtern für Verwirrung.
Zur Varroose-Behandlung sind nur zugelassene Mittel zu verwenden!
Der Beitrag, mit ein wenig mehr an fachmännischem Wissen über den Umgang mit den Medien, hätte bestimmt den Informationswert erreicht, den das Imkerpaar sich vorgestellt hatte.

Aus diesem Grund habe ich in der letzten Vorstandssitzung ein Seminar angeregt und wir freuen uns darüber, dass wir interessierten und mit der Pressearbeit nicht so versierten Imkern ein Presseseminar anbieten können. Angeboten werden folgende Themenschwerpunkte, auf Wunsch mit Praxisübungen zu Text und Fotos!

- Warum Pressearbeit so wichtig ist
- Die Medienlandschaft Schleswig- Holstein
- Die professionelle Pressemeldung
- Kontakt zu Redaktionen knüpfen und erhalten
- Presseeinladungen – wann, wozu und wie?
- Pressefotos
- Was tun, wenn Medienvertreter auf einen zukommen?
- Was tun im Krisenfall?

Das Seminar ist sowohl für Anfänger geeignet als auch für alle Profis, die ihre Pressearbeit verbessern wollen.
Nach Absprache der Termine wird es zeitnah eine Einladung geben. Es sollte schon einmal in den Vereinen besprochen werden, wer und wie viele Imkerkollegen daran teilnehmen wollen, um eine Planung zu erleichtern.
Die Teilnehmerzahl für das Seminar ist begrenzt.

Winterfutter
Nach den Schwierigkeiten mit der Belieferung von Winterfutter bei verschiedenen Lieferanten im letzten Jahr, sollten wir uns in diesem Jahr rechtzeitig darum bemühen. Wie man vernahm hatte sich der Zuckerpreis in Polen mehr als verdoppelt und so machte es bei den Hamsterkäufen auf beiden Seiten Probleme, den benötigten Zucker zu beschaffen.
Da auf dem Exportmarkt für unseren deutschen Zucker wohl mehr Geld zu verdienen ist, hat man ihn in diesem Jahr erheblich verteuert, man spricht von über 20%, oder ist er gar nicht mehr als Kaufprodukt auf dem Markt?
Es ist von den Zuckerkonzernen eine Zumutung, gerade uns Imker, die regelmäßig alle Jahre den Zucker benötigen, im Ungewissen zu lassen.
Am Ende meines Spaziergangs angelangt freue ich mich auf einen schönen heißen Tee und sehe meine Bienenstöcke, freue mich auf das Summen und dem Geruch von geöffneter Beute, auf meine blühende Blumenwiese und den Geschmack des jungen Honigs.
Werde im Vorbeigehen noch daran erinnert die Mittelwände in die schon gedrahteten Brutraum-Rähmchen einzulöten und kann in meinem warmen Häuschen gemütlich frühstücken, um mich dann daran zu machen diesen Rundbrief zu schreiben.

Ich wünsche Ihnen viele gesunde Bienen
Ihre Margret Püttmann