526. Rundbrief aus Bad Segeberg - 2012
Liebe Imkerinnen und Imker,
Wie sehr sich die Fragen beim Einleiten eines Rundbriefes in den letzten Jahren doch immer mehr gleichen, ebenso wie auch die persönlichen Gespräche unter uns Imkern. Was wird das nur für ein Jahr werden, wie werden unsere Bienen nur auswintern? Jetzt, beim Schreiben dieser Zeilen im Januar, sieht es da draußen nach allem Möglichen aus, nur nicht nach Winter. In vielen Regionen waren die Verluste bereits im November immens und es bleibt zu hoffen, dass dies nicht erst der Anfang ist und die gebeutelten Völker im Februar und März von einem verspäteten Winter erwischt werden, an dessen Ende wieder einmal alles auf einmal blüht, ohne dass genügend Bienen da sind. Hoffen wir das Beste, aber fragen wir uns auch, ob die gebetsmühlenartig wiederholte Behauptung, wonach viele Imker nur zu dumm zur Varroa-Behandlung seien, nicht eindeutig zu kurz greift.
Ich tausche mich mit vielen und zudem auch unterschiedlich varroabehandelnden Imkern aus, sie haben gerade alle dieselben Probleme. Ich halte es daher für wenig wahrscheinlich, dass sich ein möglicher Behandlungsfehler quer über alle denkbaren Behandlungsweisen erstreckt. Meiner Meinung nach haben die immer weiter ansteigenden Völkerverluste multifaktorielle Ursachen. Ebenso, wie sich ein menschlicher Organismus, der einer zunehmenden Umweltvergiftung und Stress ausgesetzt ist, schlechter gegen Krankheiten wehren kann, wird es auch unseren geflügelten Freunden mit der Varroa, den Pestiziden und der vielerorts eintönig gewordenen Nahrung gehen. Hier gilt es, weder auf dem einen, noch auf dem anderen Auge blind zu sein und Umwelt und eigenes Handeln offen zu hinterfragen.
Was mag uns dieses Jahr noch bewegen? Zum Thema GVO bleibt es spannend, die Umsetzung des Urteils in nationales Recht zu beobachten. Von erheblicher praktischer Auswirkung wird der Ausgang der Diskussion darüber sein, wie die vom EuGH ins Spiel gebrachte Bewertung des Pollens als „Zutat sein, die sich nach unserer Interpretation eindeutig nur auf GVO-Pollen bezieht. Es wird jedoch von einigen Akteuren diskutiert, inwieweit Pollen generell als Zutat des Honigs bewertet werden soll, was dann eine Zutatenliste auf dem Honigglas mit entsprechenden Untersuchungen im Vorfeld erforderlich machen könnte. Es wäre sehr bezeichnend für den Politikstil, wenn die zuständigen Akteure das Meisterstück vollbringen sollten, ein eindeutig bienen- und imkerfreundliches Urteil in einen Todesstoß für die Masse der Imkereien zu verwandeln.
Aber es gibt auch Positives zu berichten: Am 11. Januar hat sich unser neuer Förderverein gegründet, der natürlich noch in den allerersten Kinderschuhen steckt. Um in diese hinein- und möglichst schnell hinauszuwachsen und sein Ziel, den Erhalt und die Weiterentwicklung unserer Imkerschule zu fördern, zu erreichen, brauchen wir die Mithilfe möglichst vieler Imker und an der Imkerei Interessierter, sei es als Fördermitglied, Spender von Gedanken, Gegenständen oder finanzieller Unterstützung.
Hier wird viel Aufbauarbeit zu leisten sein, aber das Ziel lohnt sich. Unsere Imkerschule wird mehr denn je gebraucht, während gleichzeitig die öffentliche Förderung immer weiter zurückgefahren wird. Hier kann der Förderverein Hilfe zur Selbsthilfe ermöglichen.
Ich wünsche allen Imkerinnen und Imkern, auch im Namen meiner Vorstandskollegen, eine doch noch gute Auswinterung, viel Freude an den Bienen und volle Töpfe leckeren Honigs.
Marcus Bradtke-Hellthaler