Imker-ABC

  • Brutrhythmus

    ... wird durch das Trachtangebot und durch das genetisch festgelegte Verhalten gesteuert. Innerhalb der selben Rasse kann es aber zu unterschiedlichen Brutverläufen kommen, die dem lokalen Trachtangebot angepasst sein können. Nach eigener Erfahrung kann ich aber sagen, dass die Norddeutsche Carnica Linie in Süddeutschland den dortigen Trachtgegebenheiten ebenso gewachsen ist. Krasser als innerhalb der Carnica ist der Unterschied des Brutrhythmusses aber zwischen den einzelnen Rassen.

    Die Volksentwicklung von Carnica - Völkern steigt im Frühsommer steil an, hat seinen Höhepunkt in der Entwicklung zur Sommersonnenwende und fällt dann wieder vergleichsweise steil ab. Wie Bruder Adam einstmals sagte: „...eine Frühtrachtbiene par excellence“. Die Entwicklungskurve der ursprünglich hier beheimateten dunklen Biene (A. m. mellifera) verläuft im Frühjahr sehr zögerlich, die Entwicklungsspitze ist nicht so ausgeprägt und später als bei der Carnica. Sie brütet auch noch bis weit in den Spätsommer hinein. Das hatte in der Heidetracht ihre Vorteile, ist aber unter dem Gesichtspunkt einer möglichst frühen Varroabekämpfung als sehr nachteilig anzusehen (je mehr und länger Brut gepflegt wird, desto mehr kann sich die Varroa vermehren).

    Das gleiche gilt für die Italiener Biene, ihre Volksentwicklung verläuft im Frühjahr erheblich langsamer als die der Carnica, der Entwicklungsgipfel des Volkes wird dafür aber länger beibehalten und die Bruttätigkeit sogar bis in den Frühwinter hinein ausgeübt, mit den gleichen Nachteilen wie bei der Mellifera. In Tunesien konnte ich 1975 den Brutrhythmus der dort heimischen Tellbiene (A. m. intermissa) beobachten und auch was Carnica Völker machen, die dort nicht heimisch sind. Die Bienen im südlichen Mittelmeerraum haben sich perfekt an die dort herrschenden Klima- und Trachtverhältnisse angepasst.

    Im zeitigen Frühjahr haben sie eine raschen Volksentwicklung die dann im Sommer beim Einsetzen der großen Hitze und Trockenheit auf „null“ zurückgeht, um dann wieder im Frühherbst bei einsetzen des Regens und der Eukalyptustracht einen erneuten, aber kleineren Entwicklungsgipfel zu haben. Carnica Völker haben mit diesen Trachtverhältnissen so ihre Schwierigkeiten, sie geraten in ihrem Brutrhythmus aus dem Gleichgewicht. Man hat sehr bald davon Abstand genommen diese Rasse dort weiterhin einzuführen.

    Geert Staemmler